Gefahrgutunfall am 19. Oktober 1998


Am 19. Oktober 1998 kam es gegen 13 Uhr zu einem ereignisreichen Unfall im Flörsheimer Stadtgebiet. Ein mit ca. 32.000 Litern explosivem Kraftstoff beladener Tanklastzug kam beim Abbiegen von der Hafenstraße auf die Landstraße L3028 ins Schleudern; der Tankauflieger scherte zu weit aus und riß den gesamten Tankzug mit sich. Der Tanklaster kippte dabei auf die linke Fahrzeugseite. Der hintere Teil des Aufliegers kam von der Straße ab und landete im Straßengraben, unter dem eine Ferngasleitung verläuft. Die Zugmaschine befand sich mit dem noch zusammenhängenden Auflieger auf der Gegenfahrbahn der L3028. Die Unfallursache stellte sich heraus, daß der LKW-Fahrer mit zu hoher Geschwindigkeit auf die Landstraße zwischen Flörsheim und Hochheim abbog.

Ein dem umfallenden LKW entgegenkommender PKW konnte von seinem Fahrer noch auf das Feld neben der Landstraße gelenkt werden. Der Fahrer des PKW zog sich leichte Verletzungen zu. Verletzungen zog sich ebenfalls der Fahrer des Tanklastzugs zu; er wurde von dem aus Rüsselsheim kommenden RTW "Gerau 94-85" und dem Hofheimer NEF "Main-Taunus 90-82" versorgt und mit Notarztbegleitung in die Kreisklinik nach Hofheim verbracht.

umgestürzter Tanklastzug am 19.Oktober 1998 in Flörsheim Die Einheiten der Flörsheimer Feuerwehren, es wurde in allen Stadtteilen Sirenenalarm ausgelöst, was auf ein großes Gefahrenpotential schließen ließ, trafen schon nach kürzester Zeit an der Unfallstelle ein, und begannen sofort, einen Schaum- teppich um den umgestürzten Tanklastzug zu legen, um so die Explosionsgefahr des ausgelaufenen Treibstoffs zu mindern. Um die Flörsheimer Wehren technisch, materiell und personell zu unterstützen, wurden in der Folgezeit die Feuerwehren aus Hochheim, Hofheim, Wildsachsen, Bad Soden und Schwalbach alarmiert. Diese Wehren brachten eine große Menge an Schaummitteln an die Einsatzstelle, mit denen während des gesamten Einsatzes der Gefahrenbereich eingeschäumt wurde. 


Zwei Rettungskräfte des DRK OV Flörsheim, die auf der Wache Büroarbeiten verrichteten, boten sich mit dem Rettungswagen "Main-Taunus 93-83" der zentralen Leitstelle Main-Taunus in Hofheim an, die um 13 Uhr 18 den Alarm für den RTW auslöste. Währenddessen wurde auch die "Technische Einsatzleitung Main-Taunus" (TEL) alarmiert, da es sich nach Rückmeldung der Feuerwehr um ein großes Gefahrenpotential handeln sollte.

Vor Ort erkannte man, daß sich dieser ungewöhnliche Einsatz länger hinziehen würde, und versuchte bereits telefonisch, weiteres ehrenamtliches DRK-Personal an die Wache zu bekommen, da sowohl ein weiteres Rettungsmittel zu besetzen war, als auch Personal für die Verpflegung der eingesetzten Feuerwehr- und Rettungskräfte zu organisieren war. Um 14 Uhr 8 wurde der Hintergrundrettungsdienst per Funkalarmempfänger (Schleife 901) alarmiert, der mit dem Krankentransportwagen "Main-Taunus 93-91" um 14 Uhr 14 vor Ort war.

Zwischenzeitlich wurden sowohl der Organisatorische Einsatzleiter Rettungsdienst (OL), als auch der leitende Notarzt Main-Taunus (LNA) an die Einsatzstelle beordert, da im schlimmsten Fall mit vielen Verletzten Personen zu rechnen war. Die gesamte Einsatzstelle wurde von Polizeikräften aus Flörsheim, Hofheim, Wiesbaden und Frankfurt abgesichert. Da es sich bei der Einsatzstelle um einen stark frequentierten Abschnitt der Landstraße L3028 zwischen Ortsausgang Flörsheim / Auf- und Abfahrt der Mainbrücke nach Rüsselsheim, dem Gewerbegebiet Flörsheim West 3 und Hochheim handelte, kam es so großen Verzögerungen und Staus auf den angrenzenden Straßen. Der Verkehr auf der Opelbrücke von Rüsselsheim kommend kam völlig zum Erliegen. Der Verkehr von und nach Hochheim konnte glücklicherweise über die alte "Hochheimer Straße" und durch das Gewerbegebiet Liebigstraße umgeleitet werden.

 

umgestürzter Tanklastzug am 19.Oktober 1998 in FlörsheimUm die Einsatzstelle von zwei Seiten erreichen und eine bessere Versorgung der eingesetzten Kräfte gewährleisten zu können, wurde diese in zwei "Sanitätsabschnitte" eingeteilt: Einsatzstelle West lag in Richtung Hochheim, Einsatzstelle Ost in Richtung Flörsheim, an der Auffahrt zur Opelbrücke nach Rüsselsheim. An der letzt genannten wurde der Rettungswagen "93-83" mit zwei Rettungskräften postiert, um die Versorgung und Betreuung der Atemschutzträger (der GW "Atemschutz" der Feuerwehr Hofheim wurde ebenfalls an Einsatzstelle Ost eingerichtet) sicher zu stellen. Der Sanitätsposten West wurde neben der TEL des Main-Taunus-Kreises (Mitglieder der Feuerwehren Hochheim, Flörsheim, Wicker, Hofheim, "Florian Main-Taunus 12") eingerichtet.

Ab 15 Uhr wurden neben der TEL an die Einsatzkräfte kalte und warme Getränke verteilt. In dem beheizten Zelt konnten sich die Kameraden der Feuerwehr "erholen", um erneut Atemschutzgeräte anzulegen. Die gesamte medizinische Ausrüstung der SEG Flörsheim konnte bis 15 Uhr 59 an die Einsatzstelle verbracht werden. Um 17 Uhr 3 wurde die gesamte SEG "Rettung" des DRK OV Flörsheim über Funkalarmempfänger (Schleife 903) in den Großeinsatz mit einbezogen.

Das Personal der SEG wurde vorgehalten für:

 


Von den jetzt 24 eingesetzten Helfer der SEG Flörsheim wurde neben der TEL ein Zelt für die Betreuung und Verpflegung aller Einsatzkräfte aufgebaut und um 18 Uhr 30 die erste Einsatzverpflegung ( 130 Portionen Gulasch mit Nudeln) ausgegeben. Ebenso wurden auf dem Gelände der Deutschen Shell AG Feldbetten für die Mitarbeiter der Bergungsfirmen aufgebaut. Gegen 19 Uhr 30 wurde an der östlichen Betreuungsstelle eine Ausgabestelle für warme Getränke eingerichtet, um die Atemschutzträger besser zu versorgen.

umgestürzter Tanklastzug am 19.Oktober 1998 in FlörsheimNach dem Aufrichten ( ca. 24 Uhr) des Lastzugs wurde gegen 0 Uhr 30 mit der Ausgabe 170 Portionen heißer Würstchen und frischer Brötchen begonnen. Inzwischen konnten die Feuerwehrkameraden der umliegenden Städte von der Einsatzstelle entlassen werden, so daß gegen 1 Uhr 30 mit dem Abbau der Essensausgabe und des beheizten Zeltes begonnen werden konnte. Als letztes Rettungsdienstfahrzeug verläßt der RTW "93-83" um 2 Uhr 50 die Einsatzstelle und rückt in die Wache ein.

Der Einsatz der SEG "Rettung" des DRK OV Flörsheim am Main e.V. konnte um 3 Uhr 15 beendet werden. An den darauffolgenden Tagen wurde das Material und der Lagerbestand gesichtet und gegebenenfalls ersetzt. Auch die Aufräumarbeiten an der Einsatzstelle, das Abtragen des kontaminierten Erdreiches dauerte noch zwei Tage an.


Eingesetzte Fahrzeuge

DRK OV Flörsheim: ELW1 93-11 (1/0), MTW 93-19 (1/0), PKW 93-75 (1/0), RTW 93-83 (1/1), KTW 93-91 (1/1), SEG-Anhänger, Personal: 24 Helfer
Rettungsdienst Main-Taunus:
NEF 90-82 (1/1), RTW 92-83 (1/1)
Rettungsdienst Groß-Gerau: RTW 94-85 (1/1)
FW Flörsheim: ELW1, MTW, LKW, GTLF, LF16, RW2,
FW Wicker: LF8, MTW, GW Öl
FW Weilbach:
LF8, MTW, LF16/12
FW Hochheim:
LKW, ??
FW Hofheim: MTW, GW-Atemschutz, TLF 24/50, LKW, FLW, ??
FW Wildsachsen: ??
FW Bad Soden: TLF 24/50, MTW, ??
FW Schwalbach: MTW, LKW
Main-Taunus-Kreis AMT 38: Organisatorischer Leiter Rettungsdienst "Main-Taunus 100" (OL), Leitender Notarzt (LNA), , Kreisbrandinspektor "Main-Taunus 01", ELW1, ELW2, WLF, GW-Meß/Strahlenschutz
Untere Wasserbehörde
Deutsche Shell AG, Flörsheim:
Tankwagen, Pumpwagen
Ver. Bergungsfirmen: 2 Absaug-LKW, Autokran, Tankwagen
Polizei: mehrere Streifenwagen, Kripo
Main Gas AG: div. KFZ

 

Einsatzdaten DRK OV Flörsheim

Eingesetzte Kräfte:

24 Helfer davon
1 Arzt
13 Rettungsassistenten/Rettungssanitäter
6 Rettungshelfer
2 Sanitäter
2 Helfer mit Erste-Hilfe-Ausbildung

Verpflegung:
ca. 800 Tassen Kaffee
ca. 100 Liter heißer Tee
100 Flaschen Mineralwasser
130 Portionen Gulasch mit Nudeln
170 heiße Würstchen mit frischen Brötchen

Fahrzeuge:

Einsatzleitwagen1 RK-MT 93-11
Transport von Material, Verpflegung und Personal Wache - Einsatzstelle

Mannschaftswagen RK-MT 93-19
Transport von SEG-Material und Personal, Standort TEL

Personenkraftwagen RK-MT 93-75
SEG-Führung, Standort TEL

Rettungswagen RK-MT 93-83
Versorgung von evtl. Verletzten, Standort GW-Atemschutz

Krankenwagen RK-MT 93-91
Versorgung von evtl. Verletzten, Standort TEL

SEG-Anhänger
medizinisches und technisches Material zur Verletztenversorgung

Jörg Moldenhauer, Flörsheim, den 22.Oktober 1998